Agile Projekte und geeignete Verträge

Agile Projekte liegen im Trend. Leider behindern althergebrachte Vertragsvorlagen und tradierte Rechtsabteilungen den erfolgreichen Einzug agiler Prinzipien in vielen Bereichen.
Was kann getan werden, um sinnvolle vertragliche Voraussetzungen für agile Projekte zu schaffen?
Lesen Sie diesen Beitrag und zögern Sie nicht, unsere Hilfe bei der Umsetzung der hier abgegebenen Empfehlungen in Anspruch zu nehmen.

Agile Projekte liegen im Trend

Das Verständnis, dass sich im Verlauf eines Projekts Rahmenbedingungen ändern können und sogar neue Erkenntnisse gewonnen werden können, die die sture Einhaltung von einmal zu Projektbeginn festgelegten Regeln ggf. unsinnig machen, zieht immer weitere Kreise.
Kaum noch ein Projekt, bei dem stur nach einmal festgelegten Standards, Methoden und Prozessen gearbeitet wird ohne im Projektverlauf sinnvoll auf Veränderungen von Rahmenbedingungen oder neue Erkenntnisse zu reagieren.

Auf operativer Ebene stellen immer mehr Projektbeteiligte auf Kunden- und Lieferantenseite fest, dass es zwar wichtig ist,

  • Pläne zu haben und daran festzuhalten,
  • Verträge zu verhandeln und sich danach zu richten,
  • Wert auf umfassende Dokumentation zu legen und
  • geeignete Prozesse und Werkzeuge zu definieren,

es aber für den gemeinsamen Projekterfolg noch viel wichtiger ist,

  • Veränderungen zu erkennen und darauf einzugehen,
  • kooperativ, konstruktiv, zielorientiert und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten,
  • nutzbare und praxistaugliche Ergebnisse zu produzieren und
  • Menschen mit  geeigneter Qualifikation für das Projekt auszuwählen, deren Bedürfnisse zur effektiven Erbringung ihrer Leistung zu berücksichtigen und eine effiziente Kommunikation zwischen Ihnen zu ermöglichen.
Existierende Vertragswerke behindern Agilität

Leider haben diese Erkenntnisse, die viele Projekte erfolgreicher, schneller, kostengünstiger, nützlicher und besser machen, in vielen Fällen noch nicht ihren Weg in die Vertragswerke gefunden, in deren Rahmen solche Projekte abgewickelt werden sollen.
Dies stellt ein grundsätzliches Dilemma dar. Vertragsvorlagen und -bausteine wurden (noch) nicht entsprechend angepasst, Rechtsabteilungen haben sich noch nicht intensiv genug mit den neuen Prinzipien des modernen Projektgeschäfts auseinandergesetzt.

Wie sollen sich Projektpartner kontinuierlich und kooperativ austauschen und dem Projekt in seiner aktuellen Situation zuträgliche Entscheidungen treffen, wenn Sie durch per Definition nicht änderbare Spezifikationen und Vertragsvereinbarungen praktisch keinen Handlungsspielraum besitzen?

Wie soll ein Projektteam schnell auf veränderte Randbedingungen, neue Anforderungen oder gar ein neues Verständnis eines Problemfelds reagieren können, wenn ein zu Beginn aufgestellter Plan Vertragsbestandteil und damit zwingen einzuhalten und abzuarbeiten ist?

Wie kommt Agilität auch in Verträge?

Zu Beginn eines Projekts konkrete Pläne zu haben ist sinnvoll. Diese dürfen auch Vertragsbestandteil sein. Es muss dem Projektteam, das die Einhaltung dieser Pläne zu verantworten hat, aber auch möglich sein, diese Pläne unter Abwägung der damit verbundenen Auswirkungen so zu ändern, dass sie den mit dem Projekt angestrebten Zielen besser gerecht werden. Selbstverständlich kann eine solche Änderung nur einvernehmlich durch die Vertragspartner herbeigeführt werden.

Möglichst konkrete und klare vertragliche Vereinbarungen zu Beginn eines Projekts zu haben ist sinnvoll. Sollte jedoch im Verlauf des Projekts erkennbar werden, dass eine dieser Regelungen die erfolgreiche und effektive Abwicklungs des Projekts gefährdet, muss es den Projektverantwortlichen auf Kunden- und Lieferantenseite möglich sein, diese Regelung einvernehmlich so abzuändern, dass die Gefährdung der Erreichung der Projektziele abgewendet werden kann.

Jedes Projekt ist definitionsgemäß dazu gedacht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen bzw. ein bestimmtes Ergebnis zu produzieren. Wie in der operativen Abwicklung des Projekts steht auch im Vertragswerk dieses Ziel an oberster Stelle. Das Vertragswerk kann Zwischenschritte und Nebenprodukte auf dem Weg zum Ziel definieren, dem verantwortlichen Projektteam muss jedoch auch vertraglich die Möglichkeit eingeräumt werden, Zwischenschritte oder Nebenprodukte zu verändern oder wegzulassen, sofern sie der Erreichung des Gesamtziels im Wege stehen.

Es kann sinnvoll sein, dem Projektteam Verpflichtungen hinsichtlich einzuhaltender Standards, anzuwendender Methoden und Verfahren sowie einzusetzender Werkzeuge aufzuerlegen. Viel wichtiger ist es jedoch, alle Projektparteien dazu zu verpflichten, Personen mit geeigneten Qualifikationen einzusetzen und geeignete Voraussetzungen für eine effiziente Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten zu schaffen.

Leave a Reply